DFFB: OFFENER BRIEF DES VDFK AN DEN REGIERENDEN BüRGERMEISTER VON BERLIN

Stellungnahme des VdFk zu den aktuellen Entwicklungen an der dffb

Berlin, 9. März 1015 

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
 
mit Erstaunen und zunehmender Sorge beobachtet der Verband der Deutschen Filmkritik die neuesten Entwicklungen an der "Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH" (DFFB).
 
Im Zusammenhang mit der anstehenden Berufung eines neuen DFFB-Direktors soll jetzt ein externer Kandidat an den vorhandenen Bewerbern und dem offiziellen Bewerbungsverfahren vorbei von oben herab, ohne Konzeption und ohne Beteiligung der im Verfahren vorgesehenen Findungskommission installiert werden.
 
Dies ist ein mehr als ungewöhnlicher Schritt, der mit dem Gebot einer demokratischen Institution zu Verfahrensgerechtigkeit so wenig vereinbar ist, wie mit dem legitimen Anspruch aller Beteiligten auf ein ihnen gegenüber faires Verfahren und mit dem Anspruch der Öffentlichkeit auf Transparenz.
 
Die Gründe für diesen Schritt sind bisher nicht bekannt gegeben worden.
 
Bereits Mitte Dezember traten zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Film und anderen kulturellen Bereichen - darunter Erika und Ulrich Gregor, Hans Helmut Prinzler, Jutta Brückner, Christian Petzold und Rosa von Praunheim, um hier stellvertretend nur einige wenige besonders bekannte Namen zu nennen - in einer Ihnen gewiss bekannten gemeinsamen Erklärung für eine Konsenslösung bei der anstehenden Besetzung des Direktorenpostens ein, und dafür, diese Besetzung nicht gegen die Dozenten und Studierenden an der DFFB oder an ihnen vorbei vorzunehmen.
Genau dies geschieht leider gerade durch den Vorsitzenden des DFFB-Kuratoriums und Chef der Senatskanzlei, Herrn Björn Böhning.
 
Wir stellen hiermit fest, dass, wie auch Presseberichte der letzten Wochen bestätigen, bei vielen kundigen Beobachtern der Eindruck entsteht, dass Teile des Kuratoriums weder an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sind, noch daran, auch nur die Kriterien des selbstgewählten Verfahrens einzuhalten.
Stattdessen scheint es, als solle die DFFB mit Gewalt einseitig in eine industriefreundliche Film-Kaderschmiede verwandelt werden.
Wir stellen ferner fest, dass dieser Eindruck offenbar auch bei Teilen des Kuratoriums herrscht: In der eigenen Pressemitteilung des Senats, die - auch dies ein aus unserer Sicht ungewöhnlicher Vorgang - ohne Absender durch eine im Auftrag des Senats tätige Presseagentur vertrieben wurde, das Kuratorium selbst Erklärungsbedarf für das Verfahren sieht, und Herrn Böhning um Erläuterung bittet.
 
Wir, die Vertretung der Filmkritiker Deutschlands, stellen fest: Der Chef der Senatskanzlei betreibt Schindluder mit dem historischen Erbe der DFFB, und gefährdet mutwillig die Existenz dieser so renommierten wie einmaligen Institution der deutschen Filmkultur.
Der VDFK protestiert gegen die offene Ignoranz gegenüber demokratischen Grundwerten.
 
Wir fordern Sie, sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister, freundlich auf, ein Berufungsverfahren zu garantieren, das von Transparenz, Fairness und Gleichbehandlung aller Bewerber geprägt ist, und das den Charakter, das Selbstverständnis und das historische Erbe der DFFB nicht gefährdet.
 
Der im Augenblick entstehende Eindruck, dass von Seiten des Berliner Senats in laufende Verfahren eingegriffen wird und willkürlich die Bewerbungsmodalitäten geändert werden, beschädigt nicht nur die DFFB und den möglichen zukünftigen Direktor, es würde auch die Berliner Film- und Kulturpolitik als Ganzes nachhaltig Schaden zufügen.
 
Kein Beteiligter, auch nicht der Vorsitzende des Kuratoriums und erst recht kein möglicher Direktor kann ein Interesse daran haben, dass das Vertrauen in die gemeinsame Zusammenarbeit bereits von Beginn an ohne Not derart empfindlich gestört würde.
 
Völlig inakzeptabel wäre es auch, wenn ein inkorrekt durchgeführtes Verfahren mögliche juristische Auseinandersetzungen nach sich ziehen würde.
 
Da die DFFB Eigentum des Landes Berlin ist, tragen Sie, Herr Regierender Bürgermeister, eine besondere Verantwortung für die Zukunft der DFFB wie für die Bewahrung dieser einzigartigen Institution der deutschen Filmlandschaft.
 
Wir fordern Sie dringend auf, dieser Verantwortung gerecht zu werden.
 
Mit freundlichem Gruß
 
Vorstand und Beirat des Verbands der Deutschen Filmkritik (VdFk e.V.)
 
Dunja Bialas
Jennifer Borrmann
Frédéric Jaeger
Peter Kremski
Claus Löser
Jan Schulz-Ojala
Rüdiger Suchsland
Wilfried Reichart
Rudolf Worschech
Dennis Vetter
Florian Vollmers

STELLUNGNAHME ZUR NOVELLIERUNG DES FILMFöRDERUNGSGESETZES 2017

Der Verband der deutschen Filmkritik macht eine Bestandsaufnahme und beschreibt Änderungsbedarf an der Filmförderung.

SIEGFRIED-KRACAUER-PREIS 2015 AUSGESCHRIEBEN

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg schreiben ihren Preis für Filmkritik erneut aus. Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird während des Filmfests in München verliehen.
Ab sofort können sich Autoren um zwei Auszeichnungen bewerben: den mit € 3.000 dotierten Preis für die Beste Filmkritik und/oder um ein einjähriges Stipendium. Dieses ist mit € 12.000 dotiert und eröffnet dem Preisträger die Möglichkeit, sich in dieser Zeit intensiver Kritikerarbeit und umfassenden Recherchen zu widmen. Das Stipendium knüpft sich an das Verfassen von zwölf ausführlichen Filmkritiken sowie von mindestens drei umfangreichen Essays.

Bewerbungsschluss ist der 15. April 2015 (Eingang beim VdFk). Eine unabhängige Jury, die von der MFG Baden-Württemberg und dem VdFk berufen wird, liest die eingereichten Bewerbungen für die Kategorie Beste Filmkritik des Jahres 2015 in anonymisierter Form.

Hier finden Sie die Einreichungsmodalitäten.

Ansprechpartner:

VdfK e.V.
Dunja Bialas
0179 28 40 279
kracauer@vdfk.de