ZUM TODE VON HANS-JOACHIM SCHLEGEL (26.1.1942-30.10.2016)

Als Journalist und Publizist hat sich Hans-Joachim Schlegel ums Kino verdient gemacht, insbesondere um den osteuropäischen Film, dem er auf Festivals, als Mitglied von Jurys und in zahllosen Publikationen - u.a. auch als Autor des FILMDIENST - jahrzehntelang Würdigung verschaffte. Nun ist Hans-Joachim Schlegel 74-jährig gestorben.

Ein Nachruf von Ralf Schenk: lesen.

  

SIEGFRIED KRACAUER PREIS 2016 VERLIEHEN

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg und die Film- und Medienstiftung NRW zeichnen gemeinsam mit dem Verband der deutschen Filmkritik Ekkehard Knörer mit dem Siegfried Kracauer Preis 2016 für die beste Filmkritik aus. Das Siegfried Kracauer Stipendium geht an Patrick Holzapfel.

Köln, 10. November 2016. - Ekkehard Knörer gewinnt den Preis für die beste Filmkritik für seinen Text zu „Wild“ von Nicolette Krebitz. Er erschien unter dem Titel „Außer sich“ in der Zeitschrift Cargo im März 2016. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Das Stipendium für das Jahr 2016/17 in Höhe von insgesamt 12.000 Euro erhält Patrick Holzapfel, der eine sechsteilige Artikelserie zum Thema „Zukunft des Kinos“ sowie einen regelmäßigen Blog verfassen wird. Die Preisübergabe fand während der feierlichen Verleihung des Kinoprogrammpreis NRW im Rahmen des Film- und Kinokongresses in Köln statt.

Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker benannte Auszeichnung wird jährlich vergeben. Zu der von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und dem Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) ins Leben gerufenen Initiative kam 2016 als neuer Partner die Film- und Medienstiftung NRW hinzu. Beide Filmförderungen stiften den Preis gemeinsam.

„Wir freuen uns, diese Auszeichnung nun zum dritten Mal zu vergeben und so wieder auf einige herausragende Filmkritiken des letzten Jahres aufmerksam zu machen. Gute Filmkritiken bieten nicht nur Information und Orientierung für den Kinogänger. Sie sind oft selbst kleine Kunstwerke und ein Genuss an sich,“ so Carl Bergengruen.

Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, unterstrich: „Mit dem Siegfried Kracauer Preis möchten wir die besondere Bedeutung der Filmkritik für unser Metier hervorheben. Eine gute Kritik ist Werbung für Filme, Feedback für die Macher und ein wichtiger Beitrag zum kulturellen Diskurs. Die diesjährigen Nominierungen und Arbeiten von Preisträger Ekkehard Knörer und Patrick Holzapfel belegen die Bandbreite und Qualität der Filmkritik eindrucksvoll.“

Die diesjährige Jury bestand aus Barbara Albert, Regisseurin, Autorin und Produzentin, Joachim Kühn, Geschäftsführer von Real Fiction Filmverleih und Kinobetreiber, und Sven von Reden, freier Filmkritiker und Stipendiat des Siegfried Kracauer Preises 2015. Ekkehard Knörer habe unter 69 Bewerbern für die beste Filmkritik mit seinem Sprachstil überzeugt, der die „Wahrnehmung des Films“ widerspiegele, so die Jury. Weiter heißt es in ihrer Begründung: „Wir bekommen sofort Lust aufs Kino, wollen den Film (noch einmal) sehen.“ Den zukünftigen Stipendiaten Patrick Holzapfel würdigte die Jury für seinen „ebenso persönlichen wie reflektierten Zugang zum Kino“. Seine Texte offenbarten eine „fühlbare Leidenschaft für den Film mit einem für sein junges Alter erstaunlich breitem Wissen über Filmgeschichte und Weltkino“.

Der Verband der deutschen Filmkritik dankte am Abend der Verleihung dem bisherigen Medienpartner FILMDIENST, würdigte dessen filmkritisches Engagement und bedauerte das bevorstehende Aus für die Printausgabe. „Die Zukunft des Kinos ist nach derzeitigem Stand gesicherter als die Zukunft der Filmkritik“, so das ernüchternde Fazit des Abends. Die Stiftung des Siegfried Kracauer Preises für Filmkritik durch zwei einflussreiche Filmförderungen wertete der Verband jedoch als hoffnungsvolles Zeichen für die Filmkritik, den Film und das Kino gleichermaßen.

Auf der Internetseite www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen bereit.


Ansprechpartner
Film- und Medienstiftung NRW, Erna Kiefer, +49 (0)211 9305022, ernakiefer@filmstiftung.de
MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Uwe Rosentreter, +49 (0)711 90715-407, rosentreter@mfg.de
VdFK e.V., Dunja Bialas, +49 (0)179 28 40 279, kracauer@vdfk.de

OFFENER BRIEF: ZEITSCHRIFT FILMDIENST VOR DEM AUS

Offener Brief an Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Zeitschrift Filmdienst vor dem Aus: Katholische Kirche darf ihr Engagement für die Filmkultur nicht aufgeben!

Wie dem Verband der deutschen Filmkritik jetzt von offizieller Seite bestätigt wurde, fährt die Katholische Kirche ihr Engagement für die Filmkultur drastisch zurück. Sie beabsichtigt, den Filmdienst, die kirchlich finanzierte Fachzeitschrift für Film und zugleich älteste deutsche Zeitschrift für Filmkritik, einzustellen.

Die Katholische Filmkommission und der Verlag dreipunktdrei stellen in ihren Schreiben an den Verband der deutschen Filmkritik einvernehmlich fest, dass es angesichts der Mittelkürzung durch die Kirche keine wirtschaftliche Möglichkeit gäbe, die Printpublikation fortzuführen. Über einen künftigen Webauftritt, der die filmkritischen Inhalte in verringertem Umfang bereithalten soll, werde derzeit nachgedacht. Mit einer Entscheidung sei Ende November zu rechnen.

Bereits zum Juli dieses Jahres war der freie Verkauf des Filmdienst eingestellt worden, was vom Verband der deutschen Filmkritik als ein beunruhigendes Signal für die bevorstehende Entwicklung gedeutet wurde. Gesellschaftskritische, umfassende und verantwortungsvolle Filmpublizistik befindet sich damit in gravierender Weise auf dem Rückzug.

Wir appellieren an die Katholische Kirche, die Bewegtbilder nicht leichtfertig der von ökonomischen Aspekten geleiteten Filmverwertung zu überlassen und sich weiterhin engagiert, filmhistorisch und ästhetisch kompetent zu äußern. Es ist mehr als fahrlässig, die Bedeutung des Films in Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Bewegtbildern geringzuschätzen und deren fachkundige Besprechung preiszugeben.

Wir erwarten von der Katholischen Kirche, dass sie sich als wichtige Akteurin der Zivilgesellschaft zum Engagement für die Filmkultur bekennt. Wir sind der Überzeugung, dass eine Printzeitschrift viele Vorteile in Reichweite und Nachhaltigkeit birgt und rufen die Katholische Kirche dazu auf, ihre verantwortungsvolle Rolle als Impulsgeber für den gesellschaftlichen Diskurs mit relevanten Texten zu Film und Kino auch in Zukunft ernst zu nehmen und in vollem inhaltlichen Umfang der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Vorstand des Verbands der deutschen Filmkritik

Dunja Bialas
Frédéric Jaeger
Dennis Vetter
Florian Vollmers