verband der deutschen filmkritik e.V.
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PODIUM: KRITIK MACHT KINO

Diskussion zum Beitrag der Kritik für die Film- und Kinokultur

Samstag, 23.11.2013 um 16h im Arsenal Kino 1, Filmhaus am Potsdamer Platz, offen für alle, freier Eintritt ohne Anmeldung

Teilnehmer:

Jutta Brückner (Filmemacherin, Leiterin Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste)
Lars Henrik Gass (Leiter Kurzfilmtage Oberhausen)
Dominik Kamalzadeh (Redakteur Der Standard, kolik.film)
Cristina Nord (Redakteurin taz)
Bernard Payen (Kurator Cinémathèque Francaise, Semaine de la Critique Cannes).

Moderation: Frédéric Jaeger (Chefredakteur critic.de)

Beginn: 16.00 Uhr, Einlass: 15.45 Uhr

Was kann Kritik, was hat sie verlernt, wofür brauchen wir sie heute? Siegfried Kracauer hatte darauf Antworten, die mit seinem berühmten Satz zu ihrer gesellschaftskritischen Funktion noch immer heraufbeschworen werden. Zum ersten Mal verleiht die MFG Filmförderung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) einen Preis, der Kracauers Namen trägt und nachhaltig das Bewusstsein für die Bedeutung von Filmkritik stärken soll. Ausgezeichnet wird u.a. die beste Filmkritik des Jahres. Ausdruck der stets umkämpften Selbstbestimmung der Kritik wird am selben Tag auch eine Podiumsdiskussion sein, die nach dem Beitrag der Kritik für die Kinokultur forscht. Das Panel ist Teil eines Filmkritik-Kongresses des VdFk mit Workshops und Arbeitstreffen. 

PODCAST - FILM UND KRITIK 3 - WER LIEST DAS? FILMKRITIK UND IHR PUBLIKUM

Podcast zum Nachhören

Am Dienstag, 15.10.2013 fand in der Akademie der Künste die dritte Veranstaltung der Reihe "Film + Kritik" unter dem Titel "Wer liest das? Filmkritik und ihr Publikum" statt. Die in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik organisierte Diskussion mit Gertrud Koch, Ekkehard Knörer, Christiane Peitz und Jan Distelmeyer, moderiert von Wilfried Reichart und mit einer Einführung von Claudia Lenssen, können Sie hier nachhören oder als mp3-Datei herunterladen.

Das Podium; Wilfried Reichart (Moderation), Gertrud Koch, Ekkehard Knörer, Christiane Peitz, Jan Distelmeyer (v.l.)

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STELLUNGNAHME ZUR AKTUELLEN DEBATTE üBER DIE FILMFöRDERUNG

Filmförderung auf bessere Grundlage stellen, um die Zukunft des deutschen Kinofilms langfristig zu sichern!

Berlin, 9. Oktober 2013

Der Verband der deutschen Filmkritik begrüßt die intensive öffentliche Diskussion der Praxis der deutschen Filmförderung im Gefolge der gestrigen Anhörung beim Bundesverfassungsgericht von vier Verfassungsbeschwerden, die sich gegen die Heranziehung zur Filmabgabe nach dem Filmförderungsgesetz (FFG) richten.

Eine eingehende Überprüfung der Förderpraxis ist nach unserer Überzeugung bei aller grundsätzlichen Anerkennung der wertvollen Arbeit der Filmförderungsanstalt (FFA) ebenso notwendig, wie die Präzisierung ihres Auftrags.

Der in manchen Stellungnahmen aus Teilen der deutschen Filmbranche erweckte Eindruck, beim derzeitigen Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht gehe es lediglich um die Sicherung der bestehenden Praxis einer Filmabgabe durch Kinobetreiber, Videotheken und Fernsehsender, ist falsch. Die für die Zukunft der Förderung zentrale Frage ist vielmehr die Legitimation der Entscheidungsprozesse der Filmförderungsanstalt (FFA). 

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SIEGFRIED-KRACAUER-PREIS 2013

Die MFG verleiht in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik erstmals einen Preis für Filmkritik

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg startet eine Initiative zur Stärkung der deutschen Kinolandschaft. Als ersten Baustein dieser Aktivitäten verleiht die MFG in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik erstmals einen Preis für Filmkritik. Die nach dem herausragenden Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird am 23. November 2013 in Berlin verliehen.


Unter der neuen Internetseite www.siegfried-kracauer-preis.de stehen weitere Informationen und ab sofort die Antragsunterlagen bereit.


Ansprechpartnerin:
MFG Filmförderung
Maria Gomez
0711 90715-416
gomez@mfg.de

PODCAST UND PRESSESTIMMEN: WIE ENTSTEHEN HYPES?

Die Veranstaltung in der Akademie der Künste zum Nachhören.

Am Montag, 3.6.2013 fand in der Akademie der Künste die zweite Veranstaltung der Reihe "Film + Kritik" unter dem Titel "Wie entstehen Hypes? Mechanismen der Filmkritik" statt. Die in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik organisierte Debatte zwischen Bert Rebhandl und Georg Seeßlen, mit einer Einführung von Frédéric Jaeger, können Sie hier nachhören oder als mp3-Datei herunterladen. Darunter finden Sie die Thesen und Fragen des Vortrags.

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FORDERUNGEN FILMERBE

Berlin, 26. November 2013
UNSER FILMERBE IST IN GEFAHR

Liebe Mitglieder,

anbei senden wir Euch die Petition von Jeanpaul Goergen, Professor Helmut Herbst und Professor Klaus Kreimeier zur Rettung des Filmerbes an Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien. Wir unterstützen diese Petition, die wir bereits unterzeichnet haben und sehen es auch als unsere Aufgabe, uns in der Zukunft weiter mit der Thematik auseinandersetzen.

Es werden weiterhin Unterschriften gesammelt - bisher sind es über 300.

Deshalb: Gerne verbreiten, unterschreiben und bekannt machen.

Herzliche Grüße Dunja Bialas, Jennifer Borrmann, Frédéric Jaeger, Claus Löser, Dennis Vetter

Petition: Unser Filmerbe ist in Gefahr

"Jeanpaul Goergen (Filmhistoriker), Prof. Helmut Herbst (Filmemacher) und Prof. Dr. Klaus Kreimeier (Publizist und Medienwissenschaftler) erklären: Wenn die Politik den fortschreitenden chemischen Zerfall unseres Filmbestandes weiter ignoriert, müssen wir in den kommenden Jahren mit dem Verlust der meisten Filme aus den letzten hundert Jahren rechnen. Die kostbaren analogen Original-Negative und Unikate unseres Film-Erbes zerfallen lautlos, ohne Aufsehen zu erregen, ohne ein neues Leben zu erhalten und unter behördlicher „Aufsicht“. Im „Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks“ (Walter Benjamin) ist ausgerechnet die Filmkunst davon bedroht, dass der größte Teil ihres Bestandes nicht mehr reproduziert werden kann und stirbt.

Am meisten Sorgen bereiten den Filmarchiven neben den leicht entflammbaren Nitro-Filmen auf Zelluloid aus den ersten fünfzig Jahren der Filmgeschichte jene Werke, die seit den fünfziger Jahren auf dem sogenannten Safety-Material Azetat aufgenommen wurden: Kinofilme, 8- und 16mm-Filme, Fotonegative, Magnet- und Mikrofilme, ferner alle Negative und deren Kopien in Farbe oder Schwarzweiß. Wenn dieses Material, wie im Normalfall, in einfach klimatisierten Räumen lagert (bei 20 Grad Celsius und 50% Luftfeuchte), hat es eine garantierte Lebenserwartung von nur 44 Jahren. Jenseits dieser vom Image Permanence Institute (Rochester, N.Y.) ermittelten Mindesthaltbarkeit beginnt das unkalkulierbare Risiko.

Das bewegte Bild hat nur ein Leben in seiner fortwährenden Reproduktion. Das ist sein Wesen. Ein einzelnes analoges oder digitales Film-Original ist immer vom Infarkt bedroht, mechanisch, chemisch oder durch Datenverlust. Wir müssen umdenken: Das bewegte Bild zu konservieren, bedeutet seine ununterbrochene Reproduktion auf höchstem technischen Niveau. Nur so besteht eine Gewähr, dass es sich im kulturellen Gedächtnis der Nation verankern kann.

Um die Digitalisierung des Film-Erbes zu meistern, schlagen wir vor, aus dem Verbund der deutschen Kinematheken heraus eine zentrale Koordinierungsstelle zu schaffen. Sie muss das bei den deutschen Filmarchiven vorhandene Fachwissen bündeln, die Digitalisierung vorbereiten und die Konditionen der Auftragsvergabe an die technischen Film- und Fernsehbetriebe aushandeln. Diese gewaltige Aufgabe kann nur von allen deutschen Archiven gemeinsam gestemmt werden. Ohne eine enge Kooperation mit den derzeit noch existierenden Filmkopierwerken und Bildverarbeitungsfirmen ist die anstehende Arbeit nicht zu leisten. Wenn es das dort vorhandene Filmwissen eines Tages nicht mehr geben sollte, hat sich das Problem von selbst erledigt.

Frankreich stellt für die Digitalisierung und Umkopierung seines Film-Erbes in einem Zeitraum von sechs Jahren 400 Millionen Euro bereit. In Deutschland stehen gerade einmal mal zwei Millionen jährlich für ein paar prominente Filmtitel zur Verfügung. Um den drohenden Untergang unserer Bestände abzuwenden, werdenbis zum Ende dieses Jahrzehnts Investitionen von etwa 500 Millionen Euro benötigt.

Wir fordern eine Initiative zur Digitalisierung der gefährdeten Filmbestände auf Bundesebene. Von der zukünftigen Bundesregierung erwarten wir eine sichere und substanzielle Finanzierung. Die Bewahrung unseres Film-Erbes ist eine nationale Aufgabe für die Zukunft. Dieses Erbe muss dauerhaft gesichert werden, um auch im digitalen Zeitalter sichtbar und verfügbar zu bleiben. Der Bund muss daher das Bundesarchiv-Filmarchiv als das zentrale deutsche Filmarchiv sowohl personell als auch finanziell stärken und die Digitalisierung des deutschen Filmerbes durch die Einrichtung eines dauerhaften Fonds fördern. Ob den entsprechenden Zusicherungen im Koalitionsvertrag vom 26. November 2013 Taten folgen werden, wird von uns genau beobachtet werden."

 

 

 

Berlin, den 26. November 2012

"AUS DEN AUGEN AUS DEM SINN - die Verantwortung der Deutschen Filmbranche für ihr Erbe"

Deutschland braucht ein breites Bündnis, damit die Schätze des deutschen und internationalen Films ihren Glanz auch im Digitalen Zeitalter auf der Leinwand und auf dem Bildschirm entfalten können. Die Bundesregierung, die Bundesländer, die Filmwirtschaft sowie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender müssen an einem Strang ziehen, um das Umspiel der analogen 35mm-Kopien auf digitale Datenträger zu finanzieren.

Dies ist das Fazit des Forums „Aus den Augen aus dem Sinn - die Verantwortung der Deutschen Filmbranche für ihr Erbe", zu dem der Verband der Deutschen Filmkritik in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut und dem „Filmdienst" auf dem Cinefest Hamburg eingeladen hatte. Als Gäste konnte der Verband Christine Grieb, Geschäftsführerin des VTFF, Martin Aust, Metropolis Kino Hamburg, Peter Dinges, Vorstand der FFA und Ernst Szébedits, Vorstand der Murnau-Stiftung Wiesbaden, begrüßen.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Digitalisierung seins Filmerbes hinterher. Nur 460.000 Euro stellte die Bundesregierung in diesem Jahr bereit, 2013 werden es 1 Million Euro sein. Die Filmwirtschaft beteiligt sich an den Kosten über die Filmförderungsanstalt 2012 mit einer Million Euro, 15.000 Euro können pro Film von den Rechteinhabern beantragt werden. Innerhalb weniger Wochen lagen dort Förderanträge im Wert von knapp zwei Millionen Euro vor.

Um den gewaltigen Finanzbedarf bei der Digitalisierung des deutschen Filmerbes zu sichern und die Voraussetzung zu schaffen, dass die Filme einer breiten Öffentlichkeit zugänglich bleiben , ist die finanzielle Beteiligung der Bundesländer und der Fernsehsender, insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrem Kultur- und Bildungsauftrag, unumgänglich. ARD und ZDF müssen wieder attraktive Sendeplätze für die Schätze des deutschen Films schaffen und sich an den Kosten für die Digitalisierung des deutschen Filmerbes beteiligen.

VDFK FORDERT PRESSEVORFüHRUNG DES SCHWEIGER-FILMS

Köln, den 18. September 2012
Dem Vorstand des Verbandes der Deutschen Filmkritik wurde von der Pressestelle des Warner Bros. Filmverleihs mitgeteilt, dass es keine Pressevorführungen zum Film „Schutzengel" von Til Schweiger geben wird. Das hat uns überrascht, scheint der Film doch künstlerisch so gelungen, dass er von den Produzenten für die Nominierung als deutscher Kandidat für die Verleihung des Oscars für den Besten Nichtenglischsprachigen Film vorgeschlagen wurde.

Die Entscheidung hat uns andererseits nicht überrascht. Seit dem Start von „Keinohrhasen" werden alle Filme des Regisseurs Til Schweiger der Presse nicht oder nur einem handverlesenen Kreis von Berichterstattern rechtzeitig gezeigt. Die Mehrheit der Kritiker wird hingegen ausgeschlossen, die kritische Auseinandersetzung mit dem Werk ist offenkundig nicht gewollt.

Der Verband protestiert gegen diese unfaire Benachteiligung von Journalisten und fordert den Warner Bros. Filmverleih auf, allen Journalisten die Möglichkeit zu geben, sich rechtzeitig über den Film zu informieren.

Der Verband fordert des weiteren Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, auf, derartigen Zensurbemühungen und der Behinderung der Arbeit der Presse innerhalb der anstehenden Novellierung des Filmförderungsgesetzes und durch eine Änderung der Richtlinien für die Vergabe von Mitteln des DFFF ein Ende zu setzen. Wer Steuergelder für die Produktion seines Filmes beansprucht oder Gelder aus einem Solidaritätsfonds der Filmbranche, der durch ein Bundesgesetz entsteht, sollte verpflichtet werden, seinen Film mindestens eine Woche vor Bundesstart in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig München und Stuttgart allen interessierten Filmjournalisten zugänglich zu machen.


EINFüHRUNG EINES LEISTUNGSSCHUTZRECHTS

Stellungnahme des VdFK zur Einführung eines Leistungsschutzrechts durch die Bundesregierung.
Der Verband der deutschen Filmkritik (VDFK) lehnt das geplante Gesetz zur Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage ab. Er fordert die Bundesregierung auf, das Gesetzesvorhaben in der angestrebten Form nicht weiter zu verfolgen.

Der VDFK bestreitet keineswegs die schützenswerten Leistungen der Verlage. Um dies in den deutschen Rechtskanon zu integrieren, reicht aber eine Novellierung des Urheberrechtsgesetzes.

Zweifellos muss das das Urheberrecht den Erfordernissen des Digitalen Zeitalters angepasst werden. Der VDFK lehnt aber alle Vorschläge ab, den Schutz des Urhebers aufzuweichen oder nicht eindeutig zu regeln.

Wir teilen die Bedenken von ver.di und DJV gegen den ersten Entwurf des Gesetzes. In seiner vorliegenden Form gefährdet es die Informationsfreiheit. Anstatt Rechtssicherheit zu schaffen, droht Rechtsunsicherheit. Der Entwurf schränkt das Zitatrecht sogar so weit ein, dass es faktisch nicht mehr existiert. Das ist weder im Sinne der Arbeit von Journalisten noch kann es im Sinne der Verlage sein.

Der VDFK wird nicht hinnehmen, dass das Leistungsschutzgesetz nicht klärt, wie die Urheberechte der Schöpfer abgegolten werden. Wir fordern klare Regeln, wie Journalisten vergütet werden. Ihnen sollten als Urheber mindestens 70% der Erlöse zustehen.

Weiterhin plädiert der VDFK dafür, die Urheberrechte der Journalisten pauschal abzugelten - nach dem bewährten Modell der Verwertungsgesellschaften. Wir wollen keineswegs die Nutzung von Fotos, Texten oder Filmen für private, wissenschaftliche oder schulische Zwecke einschränken. Das bewährte Modell, diese Rechte über eine Geräteabgabe, Leermittelabgabe u.ä. abzugelten, muss daher aktualisiert und an die die Gepflogenheiten der digitalen Medienwelt angepasst werden.

Durch die Gesetzesinitiative zum Leistungsschutzrecht für Verlage werden die Rechte der Künstler massiv beschnitten werden. Autoren, Fotografen und Filmemacher werden der Willkür der Verlage ausgeliefert. Damit droht der Tarifvertrag für freie Journalisten zur Abgeltung der Rechte - bei der gleichzeitigen Publikation von Texten in Printmedien und im Internet - endgültig zu Makulatur zu werden, zumal der Tarifvertrag schon heute nur von wenigen Verlagen eingehalten wird. Das Brutto-Durchschnittseinkommen freier Journalisten würde also in Zukunft weiter sinken: es lag nach einer Umfrage des DJV schon 2008 bei nur noch 16.900 Euro im Jahr.

Der VDF fordert deshalb, die gesellschaftliche und politische Diskussion zur Novellierung des Urheberrechts endlich auf den Schutz der Kreativen zu fokussieren. Im gegenwärtig ausgetragenen Streit zwischen Nutzern und Verwertern droht ansonsten den Urhebern die wirtschaftliche Grundlage entzogen zu werden.

BEWAHRUNG DES FILMERBES IN DEUTSCHLAND

Köln, den 9. November 2011

Bund und Länder müssen zu ihrer Verantwortung zur Bewahrung des Filmerbes in Deutschland stehen

Heute, am 9. November, findet im Kulturausschuss des Deutschen Bundestags ein Expertenhearing zur Bewahrung des deutschen Filmerbes statt. Der Verband der Deutschen Filmkritik bedankt sich bei den Abgeordneten für die Möglichkeit, seine Ideen in die Anhörung einbringen zu können. Der VDFK fordert die unverzügliche Einführung einer Pflichtregistrierung aller in Deutschland entstehenden filmischen Werke, wie sie international längst Standard ist.

Das Hauptaugenmerk muss im Moment darauf gelegt werden, dass das Filmerbe auch für künftige Generationen im Digitalzeitalter zugänglich bleibt. Die dabei entstehenden Kosten können die Rechteinhaber nicht alleine schultern. Sie brauchen nach dem Vorbild von Frankreich und China die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung. Auch die Länder müssen sich der Verantwortung für die Bewahrung dieses Teils des deutschen Kulturerbes stellen.

Archive bieten eine kostengünstige und technisch optimale Lagerung der Ausgangsmaterialien an, die Rechte der Urheber bleiben garantiert. Um die Aufgabe der physischen Sicherung des Filmerbes weiterhin erfüllen zu können, müssen die Archive des Kinemathekenverbunds personell und finanziell aus den Etats von Bund und Ländern gestärkt werden.

Nicht zuletzt sollte sich die deutsche Filmwirtschaft auch selbst ihrer solidarischen Verantwortung für die Bewahrung des deutschen Filmerbes stellen. Der Verband der Deutschen Filmkritik fordert, dass künftig je zwei Prozent oder je eine Million Euro des Etats der Filmförderungsanstalt für die Arbeit des Bundesarchiv/Filmarchivs sowie für einen von der FFA verwalteten Fonds zur Unterstützung von Digitalisierungsvorhaben zur Verfügung gestellt werden.


Ausführliche Stellungnahme des VDFK
Wir haben vom Kulturausschuss des Bundestages die Gelegenheit bekommen, uns zu den Problemen der Archivierung und Digitalisierung des Filmerbes anhand eines Fragebogens zu äußern. Hier finden Sie unsere Stellungnahme als PDF .

STELLUNGNAHME DES VDFK ZUR NOVELLIERUNG DES FILMFöRDERGESETZES 2014

Februar 2012
Stellungnahme des VDFK zur Novellierung des FFG

Februar 2012

Die internationale Filmbranche ist in einem gravierenden Umbruch. Die Digitalisierung von Produktion und Verleih haben für Filmemacher und die Distribution ihrer Filme neue Wege eröffnet, die durch die Konservierung des bisherigen Verleihmodells durch die Modalitäten bei der Digitalisierung jedoch kaum zum Tragen kommen können. Durch die Focussierung der Digitalisierung auf den von den großen Hollywood-Studios geforderten hohen Sicherheitsstandard und die damit verbundenen Kosten für die Verleiher, werden sich die Chancen für Arthouse-Filme überhaupt ins Kino zu kommen weiter verschlechtern, eine Marktbereinigung ist zu befürchten.

Zugleich beobachten wir einen grundlegenden Wandel in der Filmrezeption. Weltweit dominieren wenige mit hohem Marketing-Aufwand ins Kino und auf DVD herausgebrachte Event-Filme die Wahrnehmung durch die Zuschauer. Die breite Masse des Filmangebots verfügt nicht über diese finanziellen Werbemittel und hat so kaum Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit angemessen darzustellen und für einen Kinobesuch zu werben. Für ihre Auswertung sind Festivals unverzichtbar geworden, Festivalpreise machen das Publikum aber kaum neugierig auf einen Kinobesuch.

 

In Deutschland verzeichnen wir in den vergangenen zehn Jahren einen sprunghaften Anstieg der Zahl der Produktionen, mit der Quantität ist die Qualität nicht in ausreichendem Maße gewachsen. Wie schon in den 1990ern sind beinahe ausschließlich Komödien Garanten für Erfolge beim Publikum, nur historische Stoffe können mithalten. Genres wie Thriller, Krimi made in Germany funktionieren nach wie vor im Kino nicht.

Das deutsche Fördersystem steckt seit der Novellierung des FFG 2004 und der Einführung des DFFF viel Geld in die Produktion, es fehlt an Mitteln für eine adäquate Herausbringung der Filme. Wobei wir bei der Produktionsförderung feststellen, dass seit der Abstinenz der FFA bei der Förderung von „Keinohrhasen" und anderer Förderinstitutionen bei „Das Leben der anderen" zunehmend Populäres mit hohen Summen und mit der Gießkanne gefördert wird.

Doch trotz aller Fördergremien und aller Experten, die Drehbücher begutachten, gehen zu viele Filme mit grundlegenden Fehlern in Dramaturgie und Figurenzeichnung in Produktion.

 

Ein Hindernis ist nach wie vor die Zersplitterung der Filmförderung mit der regionalen Bindung der Mittel. Zu viel Geld fließt dadurch in Hotel- und Reisekosten statt in die Produktion.

Der Erfolg des Studios Babelsberg bei der Akquise von internationalen Projekten hat Neider geweckt. Die Regionalförderungen machen sich Konkurrenz im Rennen um diese Filme, in Bayern wird sogar ein Studio gebaut, das die weltweiten Überkapazitäten in diesem Bereich vergrößert, was langfristig nur zu einem ungesunden Preiswettbewerb führen kann. Und nachdem der DFFF in vielen Ländern Europas kopiert wurde, ist es wieder schwieriger geworden, internationale Produzenten nach Deutschland zu locken. Studio Babelsberg hatte für 2011 eine Gewinnwarnung herausgegeben, das Auftragsvolumen konnte nach dem starken Jahr 2008 nicht dauerhaft auf hohem Niveau stabilisiert werden. Auf europäischer Ebene muss eine Lösung angestrebt werden, um diesen ungesunden Kreislauf, Hollywood immer günstigere Konditionen zu bieten, zu durchbrechen.

 

Weder jahrzehntelange Förderung durch Bund und Länder noch der DFFF haben dazu geführt, dass die deutschen Produzenten ihre Eigenkapitalbasis stärken konnten. Sie hängen am Tropf der Filmförderung, müssen produzieren, um laufende Kosten zu decken. Bleiben Folgeprojekte aus, bringt dies Firmen in Schieflage, was nicht zuletzt die Insolvenzplanzverfahren der vergangenen Monate gezeigt haben.

Um die Eigenkapitalbasis zu verbessern, haben die Produzenten jahrelang im Rahmen der FFG-Gesetzgebung mit dem Fernsehen um die Rechtelaufzeiten gestritten. Während die Pro7Sat1-Gruppe und das ZDF die erworbenen Rechte im ganzen Umfang nutzt, liegt das Programmvermögen bei der ARD oft brach, selbst ein Film wie „Die innere Sicherheit" wurde nur einmal im Hauptprogramm ausgestrahlt.

Die Regelungen im FFG zum Rechteerwerb sollten sich daher auf einen Mindestzeitraum zwischen Kino-Premiere und Ausstrahlung beschränken, alle anderen Regelungen zu Laufzeiten u.ä. sollte den Verhandlungen zwischen den jeweiligen Vertragspartnern vorbehalten sein.

 

Das Fernsehen hat einen viel zu hohen Stellenwert bei der Entscheidung, welche Projekte realisiert werden - besonders unter dem Aspekt, dass sein Finanzierungsanteil in den vergangenen fünf Jahren von 14% auf 7% gesunken ist. Die RTL-Gruppe hat sich völlig aus der Produktion zurückgezogen, bei ARD und ZDF stagnieren die Budgets für fiktionale Produktionen. Der „Amphibienfilm" ist wieder ad acta gelegt.

Bei den Dokumentarfilmen ist die Kofinanzierung durch die Sender auf ein lächerliches Niveau gesunken, allgemein klagen die Dokumentarfilmer, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender aus der Produktion zurückgezogen haben. Dass die Zahl der Dokumentarfilme, die im Kino Premiere haben, in den vergangenen fünf bis zehn Jahren relativ konstant blieb, ist der Unterstützung der Produktion durch den DFFF geschuldet. Die Mehrzahl der Filme erreicht jedoch Zuschauerzahlen im Kino unter der Wahrnehmungsgrenze. Wir haben daher den Eindruck, dass bei der Förderung von Dokumentarfilmen durch den DFFF der befürchtete Effekt der indirekten Sendersubventionierung eingetreten ist.

Der Verband hat daher Sympathien für die grundsätzliche Überlegung der AG Dok, das gegenwärtige System der öffentlich-rechtlichen Sender nicht als in Stein gemeißelt anzusehen. Die Fernsehgebühren könnten auch für Neugründungen fließen, das könnte deren Akzeptanz erhöhen.

 

Die enge Verzahnung von Sendern und Produktion hat zunehmend negative Effekte auf den Nachwuchs. Hochschulabschlussfilme werden zunehmend von ARD und ZDF kofinanziert, auch weil die Hochschulen von den Ländern unzureichend finanziell ausgestattet werden. Das Gros der Diplomfilme muss aber mit überaus bescheidenen Budgets realisiert werden - das macht die Studenten oft zu Sponsorenjägern. Die Stoff-Entwicklung gerät ins Hintertreffen, weil die Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, das Drehen überhaupt erst möglich zu machen.

Die Unterstützung der Sender bräuchten die jungen Filmemacher jedoch bei ihrem ersten oder zweiten Spielfilm auf dem freien Markt, den viele gar nicht mehr realisieren können. Es bleibt der jungen Regiegeneration keine Zeit, ihren Stil und ihre Handschrift zu entdecken und zu entwickeln.

 

Nicht zuletzt erfordern die Digitalisierung der Kinos und des Fernsehen von den Produzenten auch für Wiederholungen digitale Kopien, die Finanzierung der digitalen Bearbeitung überlassen sie dem Eigentümer der Rechte. Dies setzt auch die Lösung der Filmarchivfrage im Rahmen des FFG auf die Tagesordnung.

 

Der VDFK denkt daher, dass das FFG umgestaltet werden muss, um die künstlerische und wirtschaftliche Eigenverantwortung der Produzenten zu stärken und die deutsche Filmlandschaft für das 21. Jahrhundert fit zu machen. In diesem Kontext muss der DFFF novelliert und sollten die Länderförderungen angepasst werden.

 

Das heißt konkret für die Bestimmungen des FFG:

Referenzfilmförderung

  • Produzenten und Verleiher erreichen mit der Referenzfilmförderung das Recht, Paketförderungen zu beantragen, die ihnen alleine die Verantwortung für die sachgemäße Ausgabe der Mittel für kommende Filme lässt.

Produktionsförderung:

  • Einzelprojekte werden nur noch im Nachwuchsbereich von Kommissionen bewilligt, hier wird der Zwang zur Kinoauswertung (auch in den DFFF-Regularien) von der Möglichkeit, den Film auf nationalen und internationalen Festivals auszuwerten, ersetzt.

  • Drehbuchautoren können eigenständig Mittel beantragen, wobei auch hier der Schwerpunkt beim Nachwuchs zu setzen ist. Auch die Drehbuchweiterentwicklungsförderung sollte fortgeführt werden.

  • Ansonsten ist grundsätzlich der Produzent verantwortlich, wie Fördergelder (Paketförderung) über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden - von der Drehbuchentwicklung, über dessen Weiterentwicklung bis zur Unterstützung von Verleih- und Festivalteilnahmen und der Hinterlegung einer 35mm-Kopie oder eines DCI-Masters im Bundesfilmarchiv und die FBW-Bewertung. Nach holländischem Modell ist auch die Bildung eines Eigenkapitalstocks anzustreben.

  • Alle mit Fördergeldern entstandenen Filme müssen der Presse in acht deutschen Städten gezeigt werden.

Verleihförderung

  • Verleih- und Marketingförderung müssen erhöht werden, eine Arbeitsteilung mit den Regionalförderungen der Länder wäre sinnvoll.

  • Auch die Einzelbestimmungen des FFG zur Verleihförderung sind auf ein Minimum zu reduzieren, sie müssen an die Möglichkeiten der digitalen Welt angepasst und die Eigenverantwortung der Verleiher gestärkt werden.

  • Langfristig wird die Förderung von Zusatzkopien entfallen. Sie wird ersetzt von der Förderung des Listungsanteils der Verleiher für den Zugang zu den teuren technischen Systemen, die das Ziehen von Raubkopien verhindern sollen.

Die Maßstäbe, die an Verleiher im Rahmen der DFFF-Förderung angelegt werden, müssen strenger werden.

Festivalförderung

  • Festivalteilnahmen sind förderfähig, ebenso Initiativen nichtkommerzieller Verleiher, deutsche Film im In- und Ausland ins Kino zu bringen

  • Zugleich werden Festivals analog der Kinos in das Abgabesystem einbezogen. Dies erscheint uns sinnvoll, da Festivals, insbesondere die Berlinale, Publikumsmagneten geworden sind. Damit kann die seit Jahren bekannte Negativseite der Berlinale ausgeglichen werden, dass sie bei Arthouse-Filmen das potentielle Publikum in Berlin abschöpft, Verleih und Kinos später das Nachsehen haben.

Kinoförderung

  • bislang liegt der Schwerpunkt auf Maßnahmen zur Restaurierung und Werterhaltung der Kinos, förderfähig sollte auch die Arbeit mit dem Filmen werden, z.B. mit dem Kinder- und Jugendfilm oder Archivfilm.

DVD-Vertrieb

  • Video-on Demand wird langfristig den Verkauf von DVDs ablösen, die Anbieter sind

in das Abgabensystem einzubeziehen.

Referenzfilmförderung

  • Jährliche Überprüfung der Festivalliste für die kriteriengestützte Referenzfilmförderung.

  • Aufnahme des Filmpreises der Kommunalen Kinos in die Referenzfilmliste

Gremien

  • Grundsätzlich sind Überlegungen zu begrüßen, die Gremien zu verkleinern, um deren Arbeitsfähigkeit zu optimieren. Filmarchive- und Filmkritiker sind bislang aber nicht in den Gremien der FFA vertreten. Deshalb sollte der Kinematheksverbund erstmals in den Kreis der Mitglieder des Verwaltungsrats aufgenommen werden, der VDFK möchte wieder zu diesem Kreis gehören.

 

 

 

Folgende Probleme der deutschen Filmwirtschaft sind ebenfalls zu lösen

 

  1. Schaffung eines Aushängeschilds nach skandinavischen Vorbild

    Das Dänische oder das Schwedische Filminstitute sind zentrale Anlaufstellen für Filmemacher und Zuschauer gleichermaßen. Neben den wichtigsten Gremien beherbergt es eine eigene Bibliothek und ein Kino. Solche regelmäßigen Treffpunkte mit dem potentiellen Publikum fehlen der FFA, aber auch der Filmakademie, den Archiven und den regionalen Förderern. Kleines Vorbild ist hierfür schon die FBW in Wiesbaden, deren Räume regelmäßig für Filmveranstaltungen genutzt werden.

     

  2. Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Medium Film

    Auch hier lohnt ein Blick in den Norden Europas. 25% der Fördermittel für Produktion und Verleih mussten jahrelang in Dänemark für Kinder- und Jugendfilme ausgegeben werden, der Gesamtmarktanteil des dänischen Films liegt meist über 20%. Das ist auch in Deutschland anzustreben.

    Denn in Deutschland war der Jubel 2009/10 über den einheimischen Marktanteil eine Mogelpackung, er wurde von den Hollywood-Produktionen des Studio Babelsbergs getragen. 2011 folgte wieder ein schwaches Jahr mit wenigen „Besuchermillionären".

    Der anspruchsvolle deutsche Film lässt das Publikum bis auf wenige Ausnahmen kalt und es verschwinden auch die Kinos aus den Innenstädten, die ihn pflegen. Insbesondere die aktuelle Produktion von Kinder- und Jugendfilmen, die nicht auf Bestsellern oder populären Figuren aus Comic oder Fernsehen beruhen, hat keine Chance, überhaupt von der Altergruppe im Kino wahrgenommen zu werden. Wenn Generationen nur noch mit dem Mainstream in Multiplexen aufwachsen, werden sie auch als Erwachsene kaum dem europäischen Arthouse-Film eine Chance geben.

    Um diese Entwicklung zurückzudrehen, müssen Bund Länder und auch die Filmwirtschaft selbst Geld in die Hand nehmen und von Frankreich lernen, um die nachwachsende Generation an den Film heranzuführen. Die Förderung der Produktion und des Kinobesuchs von Kindern und Jugendlichen für sie altersgerechte Filme ein Förderschwerpunkt werden.

    In Berlin arbeitet das Kinderfilmbüro seit Jahren ausgezeichnet, es organisiert mit den Spatzenvorstellungen für das Kita-Alter und dem Kinderfilm des Monats in 20 Berliner Filmtheatern ein hervorragendes Programm, an das andere Länder anknüpfen können.

    Der wichtigste Schritt ist es aber, für die Kinos Anreize zu schaffen, um beispielsweise in Sonntagsmatineen oder am Nachmittag ein altersgerechtes Kinoprogramm anzubieten.

  3. Reformierung von Vision Kino

    Die Gründung der Vision Kino war ein Schritt in die richtige Richtung, doch hat sie leider dazu geführt, dass Länder und Kommunen ihre Mittel für die finanzielle Unterstützung regionaler Projekte zurück gefahren haben. In vielen Orten wechselten die Schulkinowochen von Kommunalen- und Arthouse-Kinos in Multiplexe, die Schüler lernen so nie eine andere Form des Filmtheaters kennen. Eine Vor- und Nachbereitung der gesehenen Filme im Kino erfolgt kaum, das bleibt nicht ausgebildeten Lehrern überlassen. Durch die enge Verbindung zwischen Vision Kino und HDF hat sich der Focus auf die von den größeren Verleihern ins Kino gebrachten Filme zunehmend eingeengt.

    Bund und Länder sollten daher über neue inhaltliche Akzente nachdenken. Die Vision Kino sollte zentraler Anlaufpunkt sein, Begleitmaterialien erstellen, in Zusammenarbeit mit dem DIF und der Datenbank der Europäischen Kinderfilminitiative eine Filmdatenbank über die in Deutschland für die Altergruppe verfügbaren Titel aufbauen, Schulungen für Lehrer und andere in der Medienpädagogik tätige Personen anbieten, Projekte vernetzen. Die Organisation der Veranstaltungen ist dann aber vor Ort besser aufgehoben.

  4. Kurzfilm

    Die bei der vergangenen Novellierung des FFG beschlossenen Änderungen haben es nicht geschafft, dem Genre einen Platz im Kino zurückzugeben. Hier ist über grundsätzliche Neuansätze nachzudenken. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kurzfilme nicht alleine als Vorfilme eingesetzt werden müssen. Die Definition eines Kurzfilms (bislang auf 15 Min. beschränkt) ist den Kriterien anzupassen, nach denen das BKM seine Kurzfilmpreise vergibt.

  5. Ballung der Filmstarts zwischen Berlinale und Deutschem Filmpreis

    Jedes Jahr dasselbe Ärgernis. Zwischen amerikanischen Blockbustern und Oscar-Anwärtern starten so viele deutsche Filme, dass sie weder in den Medien besprochen, noch in den Kinos ordentlich ausgewertet werden können. Nach der Berlinale ballen sich die Filme nochmals, da alle bis zur Filmpreis-Nominierung im Kino sein wollen und auf den Markteting-Effekt der Berlinale-Berichterstattung setzen. Das wirtschaftliche Potential vieler Filme bleibt so ungenutzt. Das schwächt die wirtschaftliche Bilanz des deutschen Films, langfristig aber auch die Berlinale. Wir beobachten, dass die deutsche Filmemacher wie Tom Tykwer oder Andreas Dresen nach Cannes, Venedig oder auf die großen nordamerikanischen Festivals des Herbstes gehen, um ihre Filme im Herbst anschließend mit ordentlicher Startberichterstattung durch die Medien auf dem deutschen Kinomarkt auswerten zu können.

    Daher sollte der Deutsche Filmpreis endlich wie alle großen internationalen Filmpreise das Kalenderjahr berücksichtigen.

    Außerdem sollte ein Filmpreis für die beste Koproduktion mit drei Nominierungen werden, um Produzenten wie Razor oder EgoliTossel Filmproduktion ebenso die Möglichkeit zu geben, Geld für die nächste Produktion oder Referenzpunkte zu generieren.

    Grundsätzlich muss das Abstimmungsprozedere transparenter werden. Wir wissen, dass Jurys in Sichtungswochen nicht komplett sind. Vorführungen werden nach wenigen Minuten abgebrochen. Und es reicht nach dem neuen Abstimmungsverfahren wohl nicht mal zwei Dutzend Befürworter einer Nominierung, um unter die sechs Kandidaten zu rutschen.

  6. Langzeitarchivierung und Digitalisierung

    Durch die Digitalisierung der Kinos ist endlich auch das Problem der Langzeitarchivierung wieder in den Blickpunkt gerutscht. Wobei zwei Felder zu unterscheiden sind:

     

    • Digitalisierung von Filmkopien - die Kosten müssen auf Nutzer und Rechteinhaber verteilt werden, Förderung von Bund und Ländern wird ebenso nötig sein wie eine gezielte Unterstützung von Digitalisierungsmaßnahmen von vor 2014 entstandenen Filmen durch die FFA mit 1% ihres Budgets. Wünschenswert ein an den Pakt zur Digitalisierung der Kinos angelehntes Bündnis für den Film.

    • Die finanzielle Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Archive und des Zugangs zum deutschen Filmerbe. Auch hier sind Bund und Länder in der Pflicht, aber auch die deutsche Filmwirtschaft sollte sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. Pro Jahr gehen 500.000 Euro aus dem FFA-Etat an die Archive des Kinemathekenverbunds mit Schwerpunkt Bundesfilmarchiv für die Sicherung der Film-Materialien.

  7. Prädikate FBW

    Die bisherige Regelung des FFG benachteiligt Dokumentarfilme, viele Verleiher reichen ihre Filme aber nach wie vor nicht für die Prädikatisierung ein, da die Kosten für die Sichtung die finanziellen Effekte in der Referenzförderung übersteigen. Nachdem das Land Hessen eine Bestandsgarantie für die FBW gegeben hat, sollte das Prädikat zu einem Gütesiegel werden und das gesamte bisherige System von Filmsichtung und Berücksichtigung in der Referenzförderung so überarbeitet werden, dass sich ein „Besonders Wertvoll" und „Wertvoll" auch auszahlt.

    Alle DFFF-geförderten Filme müssen ebenso wie die fsk auch die FBW passieren. Prädikate führen abgestuft zur automatischen Förderung des Verleihs durch die FFA und Länderförderungen. Die Referenzförderung wird umgestellt: Es gibt keine Mittel mehr, sondern nur das Recht Paketförderungen für weitere Starts zu beantragen.

 

Weitere Stellungnahmen des VDFK zur Filmförderung:

Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Novellierung des Filmfördergesetzes (10.04.2013)

Stellungnahme zum Referentenentwurf des Filmförderungsgesetzes (30.07.2012)


Urteilsverkündung am 28. Januar 2014

Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichtes (13.12.2012)

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