3. Kunstfilmbiennale Köln/Bonn 2007
Vom 18. bis 24. Oktober fand zum dritten Mal seit 2002 die Kölner Kunstfilmbiennale statt; als Novum wurden diesmal zusätzliche Leinwände im benachbarten Bonn bespielt.
Neben einem internationalen Wettbewerb und den Beiträgen zum „Bild-Kunst Förderpreis für experimentellen Film" waren zahlreiche Sonderprogramme zu sehen, ein Symposium zum Thema „Kunst - Film - Kunst" fand statt und erstmals gehörte auch eine Videoinstallation zum Gesamtprogramm. Aus unterschiedlichen Perspektiven näherte sich so das Festival unter seinem Leiter Heinz Peter Schwerfel erneut der Frage, wo die Schnittflächen zwischen Kunst und Film verlaufen und auf welche Weise die Grenzen zwischen den Bereichen wechselseitig durchdrungen werden. Denn „nie war der Umgang der Gegenwartskunst mit dem Medium Film einfallsreicher als heute", wie Schwerfel im Katalogtext meint.
Um den mit der immensen Preissumme von 25.000 Euro ausgestatteten „Bild-Kunst Förderpreis für experimentellen Film" bewarben sich knapp fünfzig Beiträge, die aus mehr als 400 Einreichungen ausgewählt wurden. Mit dieser Auswahl bot sich ein durchaus repräsentativer Einblick in Bilderwelten, wie sie augenblicklich an Kunst- und Filmhochschulen sowie von eigenständig arbeitenden jungen Künstlern entworfen werden - keiner der FilmemacherInnen zählte mehr als vierzig Lebensjahre, die jüngsten Teilnehmer waren knapp über Zwanzig. Unter den in eher vagen thematischen Blöcken zusammengefassten Videoarbeiten und Filmen ließen sich indes nur schwer Tendenzen ausmachen, die für künftige Bewegungen evident werden könnten; dafür erwies sich das Material einfach als zu heterogen. Auffällig höchstens ist der an gut ausgestatteten Schulen anhaltende Trend zu aufwändig an Großrechnern hergestellten, digitalen Animationen.
Die Jury bediente diesen Hang zu rein technischen Bildern nicht, vergab ihre Prämie zu gleichen Teilen an zwei Arbeiten, die jenseits reiner Virtualität etwas zu sagen hatten. Das Modell von Florian Gwinner entwirft in einer langen Plansequenz die Fahrt durch eine künstliche Landschaft, die sich bald als sehr irdisch und analog gebaut erweist, dabei mit der Wechselbeziehung von Oberfläche und Imagination spielt. In Ferne Intimität greift Sylvia Schedelbauer auf das Archiv des kalifornischen Found-Footage-Pioniers Craig Baldwin zurück, um eine konsequent subjektive Geschichte ausschließlich mittels gefundener Bilder zu erzählen.
Auch die unter Vorsitz der in New York lebenden, iranischen Videokünstlerin Shirin Neshat stehende Jury des internationalen Wettbewerbs teilte ihren mit 15.000 Euro dotierten Preis unter zwei Kandidaten auf; auch sie hatte sich unter fast fünfzig ausgewählten Beiträgen zu entscheiden. Guy Ben-Ner aus Israel benutzte mit seiner Familie für Stealing Beauty gleich mehrere IKEA-Filialen in diversen Ländern, wo er in dortigen Möbelkojen im Stile einer TV-Soap Alltagssituationen und Problemfälle simulierte und damit „Fragen von Privatheit und Besitz stellte" (Jury).
Mit Lonely Planet beschreibt Julian Rosefeldt anhand eines artifiziellen Selbstversuchs als Rucksacktourist in Indien Übertragungsdefizite beim globalen Kulturtransfer. Rosefeldt, dessen Video-Triptychon The Perfectionist auch als Ausstellungsobjekt auf der Biennale präsent war, präsentiert genau jene Spezies von Medienkünstlern, die sich immer weniger auf tradierte Zuordnungen festlegen lassen. Seine Installationen gehören inzwischen zu den begehrten Exponaten auf Kunstmessen und in Museen. Sie entstehen jedoch inzwischen mit den Mitteln des traditionellen Kinos und werden auf Super-16 unter beträchtlichem Studioaufwand gedreht.
Diese ästhetische Annäherung der Videokunst an die Kinematographie lässt sich auch anhand eines Künstlers wie Doug Aitken konstatieren. Seine hoch stilisierte, mit Donald Sutherland, Tilda Swinton sowie der Musikern Cat Power gleich mit drei internationalen Stars besetzte Mehrfachprojektion Sleepwalkers erhielt den undatierten Preis des Verbandes der deutschen Filmkritik. Bevor Aitken seine Arbeit als Videofilm mit Anfang und Ende abmischte, war sie, aufgesplittet in einzelne Loops, als mehrflächige Projektion auf der Fassade des MoMa in New York zu sehen. Ein solcher, wie bei Rosefeldt oder Aitken spürbarer, Kunstmarkt-Hintergrund war an den meisten Wettbewerbsbeiträgen zu diagnostizieren. Mit dieser auf Referenzen von namhaften Galerien und Messen basierenden Programmauswahl geht nicht unbedingt Risikobereitschaft einher - wenn diese Rückversicherung auch eine gewisse Solidität garantiert. Um mit der Kunstfilmbiennale zu einem wirklichen Profil mit eigenen Entdeckungen durchzudringen, bedarf es künftig wohl noch einer klareren, auch den Mut zum Irrtum einschließenden Programmatik.
Claus Löser
© VdFk 2007
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zum Festival: www.kunstfilmbiennale.de
